Dattelner Morgenpost - Tierschützer drohen der Stadt

„Wenn sich nichts tut, dann hören wir auf“, sagt Vereinsvorsitzende Birgit Blaschke

 Von Ingrid Wolff

DATTELN. Endzeitstimmung bei den Tierschützern: Seit Wochen besteht Aufnahmestopp für Katzen. Trotzdem hat der Verein in dieser Zeit 18 weitere Tiere aufgenommen, in privaten Pflegestellen untergebracht. Die Kapazitäten sind mehr als ausgeschöpft, die Helfer mehr als erschöpft. „Wenn sich nichts tut, hören wir auf. Wir schaffen das nicht mehr“, sagt Vereinsvorsitzende Birgit Blaschke.

 

Mit einem Brandbrief haben sie sich an Bürgermeister André Dora gewendet, das Gespräch gesucht. Lösungen sind noch nicht in Sicht. „Wir schauen, wie und ob wir helfen können“, sagt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. In einem Punkt hätte die Stadt längst helfen können, sagen die Tierschützer. Und zwar mit der Einführung der Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflicht frei lebender Katzen, die die Besitzer in die Pflicht nimmt, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Seit zwei Jahren fordern die Tierschützer das. Im Gegensatz zu anderen Städten ist in Datteln nichts passiert. Warum? „Interne Gründe“, so der Stadtsprecher. In einer der nächsten Ratssitzungen werde der Beschluss eingebracht.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Besitzer ihre Katzen unkastriert umherlaufen lassen, und die Tiere, sobald sie trächtig sind, aussetzen. Dann landen sie bei den Tierschützern. Die aber wilde Katzen gar nicht aufnehmen sollen, sagt die Stadt. „Nur wie sollen wir das unterscheiden, ob die Katzenkinder von einer wilden oder einer Hauskatze stammen?“, fragt Birgit Blaschke. Die meisten Fundkatzen sind krank. „Viele haben Giardien, Darmparasiten, die auch auf den Menschen übertragen werden können“, warnt Marion Wünderich. Sie sieht Handlungsbedarf. „Wenn wir die Katzenschwemme nicht eindämmen, dann haben wir bald so viele Katzen wie wilden Hunde in Rumänien.“ Eine schwierige Aufgabe, die die Tierschützer nicht allein stemmen können und auf Hilfe der Stadt hoffen. „Wenn wir aufhören, dann muss die Stadt die Tiere selbst unterbringen, teilweise in Tierpensionen, das wird teuer. Denn auch wenn es uns nicht mehr gibt, die Tiere sind weiter da“, sagt Birgit Blaschke.

 

Info-Kasten: Stadt ist in der Pflicht

 

 Die Stadt ist für den Tierschutz zuständig. Aber nur, wenn es sich dabei um Haustiere handelt, mit Halsband oder gechippt, sagt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. Wild lebende Tiere fallen nicht darunter. Für die Unterbringung von Fundkatzen und Kleintieren, stellt die Stadt das Gelände und Gebäude zur Verfügung, zahlt pro Jahr 7 500 Euro an den Tierschutzverein. Das deckt die anfallenden Kosten – allein 16 000 Euro für den Tierarzt – bei weitem nicht.

Kommentar: Schnelle Lösung ist gefragt

Kein Tierschutzverein mehr in Datteln? Unvorstellbar, aber vielleicht bald bittere Wirklichkeit. Die Tierschützer sind am Limit. Was ihre Aufnahmekapazitäten und ihren Einsatz angeht. Und sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. Unvorstellbar ist für mich, dass die Kastrations- und Meldepflicht für Katzen immer noch nicht eingeführt ist. Damit hätten die Tierschützer eine Handhabe, die Katzenbesitzer zur Kasse zu bitten. Allein im vergangenen Jahr hat der Verein die Kosten für 70 Kastrationen getragen. Der Tierschutz in Datteln hat einen guten Ruf, das beweisen auch die vielen Futterspenden aus der Bevölkerung, ohne die der Verein gar nicht arbeiten könnte. Dazu kommt der ehrenamtlich unentgeltliche Einsatz der wenigen Helfer rund um die Uhr. „Die Tierschützer leisten wichtige Arbeit“, sagt Stadtsprecher Dirk Lehmanski. Das tun sie ohne Zweifel. Die Stadt täte gut daran, schnell nach Lösungen zu suchen, um die Tierschützer zu entlasten. Dabei geht es nicht ums Geld, da sind der Stadt die Hände gebunden. Vielleicht gibt’s ja größere Räume oder andere Möglichkeiten? Denn wenn die Tierschützer aufhören, hat die Verwaltung die Aufgabe, für die Pflege und Unterbringung der Fundtiere zu sorgen. Und das wird ungleich teurer.

Sorgen sich um die Zukunft des Dattelner Tierschutzvereins: Vorsitzende Birgit Blaschke (li.) und ihre Stellvertreterin Marion Wünderich. —Foto: Kalthoff
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