Dattelner Morgenpost - Katzenjammer

Aufnahmestopp: Tierschutzverein muss pro Tag zwei bis drei Baby-Katzen ablehnen

von Ingrid Wolff

DATTELN. Die Ferienzeit hat gerade erst begonnen, da schlagen Dattelns Tierschützer schon Alarm. Sie können sich vor Katzenbabys nicht retten. Seit Wochen herrscht Aufnahmestopp. „Jeden Tag müssen wir zwei bis drei Baby-Katzen ablehnen. Das ist einfach traurig“, sagt Andrea Henrich vom Tierschutzverein.

 

Schuld an der Kitten-Schwemme ist auch Sturmtief Ela, das Pfingstmontag über Datteln wütete. „Danach haben wir an vielen Stellen in der Stadt schutzlos herumirrende Katzenbabys aufgegriffen“, berichtet Andrea Henrich. Es sind so viele Findlinge, dass jetzt nichts mehr geht. Maximal acht Katzen können in der Auffangstation an der Industriestraße betreut werden. Die Plätze sind aber schon von ausgewachsenen Tieren belegt, die auf ein neues Zuhause warten.

Um 17 Katzenbabys im Alter von sechs bis zehn Wochen kümmern sich zurzeit freiwillige Helfer. Aber auch diese Kapazitäten sind mehr als ausgelastet. „Wir brauchen dringend weitere Pflegestellen“, bittet Andrea Henrich um Hilfe. Nicht zuletzt, um auch noch weitere neue Katzenkinder aufnehmen zu können. Denn freie Pflegeplätze sind im Moment nicht in Sicht. Von 17 kleinen Kätzchen sind erst drei vermittelt. 14 sind noch zu haben. Auch hier hoffen die Tierschützer, dass die Katzenkinder bald „adoptiert“ werden.

Nicht alle Babykatzen sind Sturmopfer oder stammen aus Würfen wild lebender Tiere. „Immer öfter kümmern wir uns um trächtige Katzen, die eindeutig vorher mit Menschen zusammengelebt haben“, sagt Birgit Blaschke, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Sie weiß zu berichten, dass viele Katzenhalter ihre Tiere unkastriert oder nicht sterilisiert frei laufen lassen. „Aber wenn die Babys da sind, dürfen wir uns darum kümmern, so Birgit Blaschke.

Das ist umso ärgerlicher, weil es eine Möglichkeit gibt, die Tierhalter finanziell in die Pflicht zu nehmen. Schon vor einem Jahr haben die Tierschützer darauf gedrängt, dass die Stadt eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflicht frei lebender Katzen einführt. Bislang ist das nicht geschehen. Die Stadt Datteln unterstützt den Tierschutzverein zwar mit 7 500 Euro pro Jahr. Im vergangenen Jahr ist diese Summe fast komplett für die Kastrations-Kosten (65 Katzen und elf weitere Tiere) ausgegeben worden. Bei einem Kater kostet das 55 Euro, bei einer Katze 90 Euro.

Ratsbeschluss ist längst überfällig

 

Jedes Jahr die gleiche Nachricht: Es gibt zu viele Katzenbabys. Jedes Jahr schlagen die Tierschützer Alarm, bitten händeringend um Unterstützung. Geld- und Futterspenden sind willkommen, freiwillige Helfer sowieso.

Seit einem Jahr aber warten die Tierschützer vergeblich auf Hilfe von Politik und Verwaltung. Es geht um die Kastrationspflicht für frei lebende Katzen. Ein entsprechender Beschluss sollte schon im vergangenen Jahr gefasst werden. Bislang ist aber nichts geschehen. Mit einem Federstrich, sprich einem Ratsbeschluss, könnten die Tierbesitzer in die Pflicht genommen und die Tierschützer entlastet werden. Eine längst überfällige Entscheidung.

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